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From rags to riches

Samstag, 15.02.2020 5.14 Uhr

Beeep, beep.
Ein Ohrenbetäubendes Geräusch Hallt durch die Nacht. Beeep, beep. Hassan, Nachtwächter des ASV-Dachau fährt herum und versucht die Ursache des Lärms zu lokalisieren. Beep, beep. Auf dem Parkplatz vor der Georg-Scherer Halle hat sich eine kleine Menschenmenge von Frühaufstehern um etwas versammelt. Hassan schreitet auf die Menge zu. Da erkennt er, was das Geräusch von sich gibt: ein Lastwagen parkt gerade rückwärts zur Scherer-Halle hin ein. Beeep, beep. Die künstlich generierten Töne zerreißen förmlich die Luft. Hassan bahnt sich einen Weg durch die Schaulustigen, als ein handballbegeisterter Junge sich zu seiner Mutter dreht und ruft: "Mama, der Mann mit dem Harz ist da!" Worauf jene entgegnet: "Ja mein Junge, das weiß ich ja." Das Piepen des LKWs verstummt und die Laderampe beginnt sich langsam zu senken. Hassan kämpft noch immer damit, sich einen Weg in die erste Reihe zu suchen, als ein Raunen durch die Menge geht. In diesem Moment kann auch der Nachtwächter den ersten Blick auf die Ladung des Transporters werfen. Der Junge hatte unrecht. Der Laderaum ist bis oben hin mit medizinischem Tapeverband gefüllt. "Exactamento 272 kg!", verkündet der LKW-Fahrer stolz. "Ich frag mich aber schon, wer um die Zeit das ganze Zeuch brauchen kann". Da schwingen die Flügeltüren der Scherer-Halle mit einem lauten Knall zur Seite und vor aus dem Innenraum aufsteigenden Rauchschwaden zeichnen sich vier Silhouetten ab. Die Silhouetten stürzen sich sofort auf die Ladung und beginnen damit, sich ihre Hände - und vor Allem die Daumen - so sorgfältig mit Sportlertape einzubandagieren, dass der in der Menschenmenge weilende Tutanchamun vor Neid ganz blass wird. So etwas hat Hassan in seinen 23 Jahren als Nachtwächter noch nie erlebt...


Samstag, 15.02.2020, 15.53 Uhr

Die 3. Herrenmannschaft versammelt sich wenige Minuten vor Anpfiff ihres Auswärtsspiels gegen den MTV-Pfaffenhofen noch einmal in der Kabine. Die Luft scheint bis zum zerreißen gespannt zu sein. Ein paar der Spieler scheinen sich die Daumen mit Tape regelrecht mumifiziert zu haben. "Was 'ne Menge", denkt Lukas Polzer bei sich "Will nicht wissen, wo die das herhaben, das is ja ne ganze Wagenladung voll!" Da erhebt Coach Haaser das Wort: " Männer, ihr wissts was Sache is, oder? Vor a paar Wochen ham mir gegen den Tabellenletzte in der Bezirksklasse verloren, san jetzt quasi die Tellerwäscher vom ASV. Da war ich schon kurz vorm Verzweifeln, aber dann hat mich am Freitag mein Gronkel Dom aus den USA angerufen. Der hat mir gesagt, dass bei ihnen drüben jeder Tellerwäscher die Chance hat, mit genügend Aufwand auch zum Millionär zu werden. From rags to riches halt. Wissts bescheid. Oiso is klar was zu tun ist, oder? Huttis, Stöcki, Ecki und Schnecki: BAMBAM. Und war so richtig. Klatschen muss es! Mase und Horni: Bälle linksrechts. Bumsi: Fangen und Schmeißen ("Mā schā' Allāh, kardeş! Geht nicht mit meim Daumen AMK"). Der Rest: Laufenlaufenlaufen. So gwinn ma des, Jungs!" Zustimmendes Murmeln aus der Mannschaft. Für Sportler sind Ansprachen wie diese wichtig. Klar kommunizierte Spielziele und Taktiken helfen die Gedanken zu sortieren. Dann geht es auch schon raus aufs Feld.

Der ein-oder Andere Zuschauer der gedacht hatte, dass aufgrund der Tabellenplatzdifferenz der beiden Mannschaften der ASV mit halbem Tempo oder gewisser Demut auf den Platz gehen würde, wird nun eines Besseren belehrt werden. Die Stadtwaldler starten konzentriert und konsequent in die Partie. So werden die ersten 5 Angriffe verwertet. Star der ersten Minuten st der Spieler Eckstein, der Klatscher in Richtung Gegentor verteilt, als sei er einer der Weasley-Zwillinge und Treiber des Griffindor-Quidditchteams. Keeper Stoffel-Freire fängt zwar nicht den goldenen Schnatz, dafür aber gefühlt jeden von außen geworfenen Ball. Die starke Präsenz der Dachauer sorgt dafür, dass bis zur 16. Spielminute eine Komfortable Führung von 3 Toren (Spielstand 9:11) erspielt werden kann. Dann lässt sich die Mannschaft nicht nur (aber auch) von einigen Zeitstrafen aus dem Trott bringen und die Gegner schaffen es zum Halbzeitpfiff bis auf ein Tor heranzukommen (13:14).

In der Kabine zeigt sich der Coach zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Die erste hälfte wird sogar als "geilste Halbzeit der Saison - BIS JETZT" bezeichnet. Während sich Hutterer, Mann, Stöckel und Schultes in der Pause noch einmal hinter die Halle stehlen (Schultes hatte etwas von einer neuen Lieferung gefaselt), weist Haaser die restliche Spieler an, die zweite Hälfte genauso konzentriert zu spielen. Wenn ihnen das gelingen kann, kann der Traum vom Millionär wahr werden und der derzeitige Tabellenführer besiegt werden.

Dementsprechend nervös sind die Spieler nun vor Beginn der zweiten Halbzeit. Der Gegner hat Anwurf und verwandelt den Angriff auch sofort, sodass beide Mannschaften nun 14 Tore auf dem Konto zählen. Es folgt ein harter Schlagabtausch. Zunächst kann der ASV wieder mit zwei Toren in Führung gehen, doch dann scheint es, als gebe die Mannschaft das Heft aus der Hand und gelangt in Rückstand (17:19). In diesem Moment zeigt sich jedoch, dass die Spieler in den letzten Wochen nicht nur spielerisch, sondern auch emotional gewachsen sind. Trotz Aufgabe der Führung recht kurz vorm Schluss bleibt die Gastmannschaft abgeklärt und gibt für jeden Angriff und jede Abwehraktion Alles um wieder ein kleines Stück an den Gegner heranzukommen. Diese Mentalität, eine starke Abwehr und ein noch stärkerer Keeper sorgen dafür, dass Pfaffenhofen eingeholt, überholt und bis zum Spielende hin mit 23:26 besiegt werden kann.

Der Sieg bedeutet für die 3. Herrenmannschaft des ASV viel. Endlich konnte man sich für gute Trainingsarbeit, die zuvor oft nicht zum Erfolg geführt hatte, belohnen. Zusätzlich kann man sich nun auf die Fahnen schreiben, auch Spiele gegen Mannschaften im vorderen Tabellenfeld gewinnen zu können. Nun gilt es, die folgenden Spiele mit der gleichen Qualität zu bestreiten um zeigen zu können, dass jetzt vielleicht wirklich ein Knoten geplatzt ist.
From rags to riches...

Für den ASV spielten Benedikt Ambrosi und Alberto Stoffel-Freire im Tor, Florian Schneider (2), Matthias Mann, Lukas Polzer (1), Felix Eßlinger (3), Thomas Stöckl (7/1), Korbinian Schultes, Simon Hornung (3), Felix Eckstein (4), Matthias Hutterer und Johannes Hutterer (6)

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