Banner

Morituri te salutant!

Das Training am Freitag vor dem Spiel dieses Wochenendes begann mit einer ernüchternden Nachricht: Das nächste Mitglied der 3. Herrenmannschaft hatte sich verletzt. Damit war er der 3. Rückraumspieler mit gebrochenem Daumen und insgesamt der 5. Rückraumspieler, der diese Saison verletzungsbedingt vom Spielgeschehen zurücktreten musste.

Diese Nachricht kam gerade unrecht nach dem Spiel gegen DJK Ingolstadt, das von der Mannschaft augenscheinlich auf die leichte Schulter genommen wurde und das, obwohl sich der Gegner im hinteren Tabellenbereich bewegte, (verdient) verloren wurde. Hinzu kam, dass das Gegenüber dieses Wochenendes, MTV Pfaffenhofen II, sich derzeit and der Tabellenspitze befindet. Man konnte sich also durchaus mit David identifizieren. Zwar nicht mit Herrn Gierke aus der 1., dafür umso mehr mit dem damals zukünftigen König Israels, der sich im Kampf Goliath gegenüber sah. Vor dem Spiel machte also das ein oder andere Mannschaftsmitglied ein Kreuzzeichen und kleine Grüppchen versammelten sich, die wiederholt im Kanon "Morituri te salutant"* murmelten.

Dieser niedergeschlagenen, fast unterwürfigen Stimmung wussten aber die Coaches bei der Ansprache vor dem Spiel einiges entgegenzusetzen. Die Pleite der letzten Woche wurde mit einer Ansprache, die das Feuer der Handballerleidenschaft in den Herzen und Händen der Mannschaftsmitglieder wieder zu entfachen wusste, einfach beiseite gefegt. Die Coaches Haaser und Stöckl stellten trotz aller Widrigkeiten ihr Vertrauen in die Mannschaft zur Schau, was dem Selbstbewusstsein der Spieler einen Ruck gab. Dies sollte sich später im Spiel bezahlt machen.

Zusätzlich konnte die Mannschaft dankbar dafür sein, dass ein Bataillon Fußsoldaten als Unterstützung aus dem Lager der 2. Herren dem Spiel beiwohnen konnte. Das Bataillon war in diesem Fall drei Mann stark. Die geringe Truppenstärke wurde jedoch von der Qualität der Unterstützer aufgewogen. Da war zum Beispiel Michel aus Lönneberga, der als Kind in die Suppenschüssel gefallen war und seitdem unmenschliche Kräfte hatte, die sich unter anderem beim Wurf von der 6m-Linie bemerkbar machten. Der schwedische Michel war der deutschen Sprache mächtig, so stellte die Integration in die Mannschaft kein allzu großes Problem dar. Anders verhielt sich das mit dem zweiten Herold, der entsandt wurde: Nicolos Loderos, ein chilenischer Ureingeborener, der die ersten 20 Jahre seines Lebens damit verbracht hatte seinen Körper beim Kampf gegen die chilenische Strauchnatter zu stählen. Einige Zeit später wurde er als Ausnahmetalent vom Scout der 2. Herrenmannschaft des ASV Dachau nach Deutschland geschleust, wo ihm zunächst die Mähne auf dem Kopf von 120 cm Länge auf nur 30 cm gestutzt wurde. Loderos nahm zwar an diversen Deutschkursen teil, dennoch war seine häufigste Antwort auf jegliche Fragen: "Pura vida, amigo mio!". Eine Lebensweisheit, die stets von einem Sorgen- und Intelligenzbefreiten Grinsen begleitet wurde. Als Integrationshelfer diente Flo Hoffmann, ein Mann der Behörden, der seit Jahren vergeblich versucht Loderos in die Dachauer Gesellschaft einzubinden und zufällig nebenher ein goldenes Händchen am Ball zu haben scheint.

Von Spielbeginn bis Spielende zeigte die Mannschaft des ASV, dass sie trotz dezimiertem Kader und angeknackster Moral in den vorderen Tabellenbereich gehören. Dabei fielen in dieser Begegnung Tore von allen Positionen. Auch ein paar Konter wurden erfolgreich gelaufen. "Brudi ich muss los" erinnerte Korbinian "Bumsi" Schultes seinen Gegenspieler auf der Außenposition, der ihm nur noch verdutzt hinterher blicken konnte, als der Spieler des ASV auch schon den langen Pass entgegennahm und im gegnerischen Tor versenkte. Beim Zurücklaufen flüsterte Schultes einem Mannschaftskollegen noch verstohlen ins Ohr: "Alle andern machen Auge, ich mach Tore".

Bei dieser Begegnung mussten aufgrund des Personalmangels im Rückraum einige Spieler auf Positionen auflaufen, die sie in der Vorbereitung kein einziges Mal bekleidet hatten. Dementsprechend überraschend war es, dass beispielsweise eine Kombination mit Schwalbe auf der Mitte und Hornung sowie Eßlinger auf den Halbpositionen gut funktionierte. Auch Loderos, der in der chilenischen Nationalmannschaft hauptsächlich rechtsaußen gespielt hatte, verstand zwar nicht was um ihn herum gesprochen wurde, konnte aber seine Agilität auf halb rechts gut unterbringen und setzte so auch den Kreisläufer aus Lönneberga mehrfach gut in Szene. Auf die Glückwünsche von der Trainerbank für eine erfolgreiche Aktion entgegnete der Chilene: "Que?", und legte sich eine Haarsträhne zurecht. "What the Fock(e)!" hörte man die gegnerischen Fans auch einmal von der Bühne Rufen, als ein anderer dachauer Rechtsaußen den Ball, nach einem ca. fünf Sekunden langen Sprung bis fast an die Viermeterlinie, im Netz versenkte.

Auch den Zuschauern schien die Begegnung zu gefallen. Zumindest konnte im linken oberen Teil der Tribüne (zu dem die Aufmerksamkeit der Spieler nach einem mächtigen, mehrstimmig arrangierten "WWEEEEIDA MÄNNEEER!!" gelenkt wurde) eine Fraktion von mindestens drei Unterstützern beobachtet werden, die über die gesamte Spiellänge ihren rechten Daumen in die Höhe gestreckt hielten. Wenn das mal kein Zeichen des Wohlwollens war!

Zwar endete die Begegnung am Samstag mit 22:23 für den MTV Pfaffenhofen, dennoch konnte die gesamte Mannschaft Stolz auf ihre Leistung sein. Sollten es die Jungs schaffen, den Spirit und die Qualität diese Spiels auf noch kommende zu übertragen, ist "ganz vorne Mithalten" trotz aller Verletzungsprobleme auf jeden Fall drin. Weiter so!

Coach Stöckl (der alte Lateiner) kommentierte das Spielergebnis wie folgt: "Victrix causa diis placuit sed victa Coachii"**

Für den ASV spielten Benedikt Ambrosi und Alberto Stoffel Freire im Tor, Lukas Polzer (1), Felix Eßlinger (6), Felix Focke (2), Alexander Kirschner (2), Florian Hoffmann (1), Korbinian Schultes (2/1), Simon Hornung, Nicolas Loderer (3), Moritz Schwalbe (1) und Michael Franke (4),


* Die Todgeweihten grüßen dich
** Die siegreiche Sache gefiel den Göttern, aber die besiegte den Coaches

zum Archiv

Es sind zu diesem Bericht noch keine Kommentare vorhanden...

Kommentieren:

Name:
Text: